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Auf nach Texas!

Ein Hut als Präsent des Elternbeirats: Offizielle Verabschiedung für Schulleiter Rainer Roth

Er steht ihm gut, der Hut. Und er passt auch, wie er versicherte. Eigentlich wollte er sich erst im nächsten Sommer einen kaufen. Dann, wenn er sich einen langgehegten Ruhestandswunsch erfüllt. Rainer Roth, Jahrgang 1947, freute sich über dieses Präsent des Elternbeirats. Der scheidende Leiter des Pegnitzer Gymnasiums wurde am Freitag offiziell von ministerieller Seite gewürdigt. Abschiedsstimmung in der Schulbibliothek.

Verabschiedung Herr Roth

Ministerialbeauftragter Edmund Neubauer aus Hof, zuständig für die Gymnasien in Oberfranken, rekapitulierte vor der Übergabe der Urkunde zur Entlassung aus dem Schulddienst Roths berufliches Wirken über vier Jahrzehnte hinweg. Studium der Anglistik und Germanistik in Würzburg, pädagogisches Seminar, dann erste Anstellung in Dingolfing. Von dort zog es ihn nach einer Reihe von Schicksalsschlägen zurück in seine Geburtsstadt Schweinfurt. Er unterrichtete am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, dem größten dieses Schultyps damals in Bayern. Ein Naturtalent als Lehrer sei Roth gewesen, zitierte Neubauer aus der Beurteilung eines Schulleiters. Roth wurde Seminarlehrer – und schließlich vor neun Jahren Chef des Pegnitzer Gymnasiums. Dessen Stellenwert habe er nach außen getragen, außerdem ein anspruchsvolles Ausbildungsniveau gewährleistet, lobte Neubauer. Und eine auf Teamfähigkeit bei Lehrern wie Schülern aufgebaute neue Struktur geschaffen. Roth habe fächerübergreifend dafür gesorgt, dass Egoismen nicht zum Tragen kommen, sondern alle das große Ganze sehen. Und nicht zuletzt würdigte Neubauer Roths Fähigkeit als Manager bei der Generalsanierung der Schule. Roth habe auch ein besonderes Augenmerk auf die interne Lehrerfortbildung gelegt – und das Gymnasium zur Unesco-Projekt-Schule entwickelt. Unter dem Strich eine höchst beachtliche Lebensleistung, geprägt von hoher pädagogischer Kompetenz.

Bei den Direktorenkonferenzen war Roth ein aufmerksamer, bedächtiger, stiller Zuhörer, so Neubauer. Um dann etwas zu sagen, wenn es wirklich wichtig war. Und nicht, wie andere, um überhaupt etwas zu sagen.

Der kleine Kreis mit Vertretern des Elternbeirats, der Schulleitung und der Verwaltung sei ihm für diese Stunde viel lieber als große Verabschiedungsszenerien: „Das war für mich immer ein Horror“, sagte dazu Rainer Roth selbst. Es sei schwierig, sich wiederzufinden in diesen Lobesworten. Aber „ein bisschen was muss da schon gewesen sein“, ergänzte er mit Blick auf die Anwesenheit ehemaliger Schüler aus Dingolfing beim Sommerball der Q11 letzte Woche. Er habe in Pegnitz eine „gute Umgebung“ vorgefunden, vom Kollegium bis zu Sekretariat und den Elternvertretern: „Ohne all das wäre es nicht möglich gewesen, diese Schule so zu leiten.“

Da Roth kein Freund von langen Ansprachen ist, wählte die Elternbeiratsvorsitzende Birgitta Döpke ein Gedicht als Abschiedsgruß, in dem die gekünstelte Lobhudelei bei solchen Anlässen kritisch unter die Lupe genommen und die Bedeutung ernsthafter zwischenmenschlicher Kontakte betont wird. Dann überreichten sie, ihr Stellvertreter Horst Scheiwe und Stefan Brand, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, als Präsent oben erwähnten Hut – einen Texashut. Inklusive eines englischsprachigen Reiseführers über Texas. Will Roth doch dort im Sommer 2012 einen dreiwöchigen Urlaub verbringen. Um der Wiege des Rock’n’Roll zwischen Austin und San Antonio ganz nah zu sein. Und damit jenem Musikstil, den er so liebt. Übrigens: Ein Jahr seiner beruflichen Laufbahn verbachte Roth in New Mexico – „gleich um die Ecke“, wie er schmunzelnd meinte.

Stefan Brand (Text und Foto)